Rikishi Spotlight #3: Atamifuji: Der erste Sekitori aus Atami – und der nächste Anwärter auf den Ozeki

Am ersten Tag des Aki Basho 2026 im Ryogoku Kokugikan passierte genau das, was wir von ihm erwarteten: Atamifuji packte Gonoyama am Mawashi und schob ihn mit einem klaren Yorikiri aus dem Dohyo. Ein Sieg, der unspektakulär klingt – und doch eine ganze Karriere zusammenfasst. Der 24-jährige Sekiwake aus der Isegahama-beya kämpft frontal, ehrlich und mit einer Hartnäckigkeit, die ihn in nur fünf Jahren vom Jonokuchi-Yusho bis an die Schwelle zum Ozeki gebracht hat.

Wer ist Atamifuji?

Bevor wir über Kinboshi, Kanto-sho und die aktuelle Ozeki-Jagd sprechen, die Fakten – basierend auf dem offiziellen Rikishi-Profil der Nihon Sumo Kyokai (Stand: Aki Basho 2026, Tag 1).

  • Shikona: Atamifuji Sakutaro (熱海富士 朔太郎)
  • Bürgerlicher Name: Sakutaro Takei (武井 朔太郎)
  • Geburtstag: 3. September 2002 (24 Jahre)
  • Heimat: Atami, Präfektur Shizuoka (geboren in Chiba)
  • Größe / Gewicht: 185,0 cm / 198,0 kg
  • Heya: Isegahama-beya
  • Debüt: November 2020 (Kyushu Basho)
  • Juryo-Debüt: März 2022
  • Makuuchi-Debüt: November 2022
  • Sanyaku-Debüt: März 2026 (Komusubi)
  • Höchster Rang: Sekiwake (seit Mai 2026)
  • Bevorzugter Stil: Migi-yotsu, Yori
  • Karriererekord: 262–188–4
  • Yusho: 1× Juryo, 1× Jonidan, 1× Jonokuchi
  • Sonderpreise: 4× Kanto-sho (Kampfgeist)
  • Kinboshi: 2 (Hoshoryu, Onosato)

Die Shikona erklärt sich fast von selbst: Atami steht für seine Heimatstadt an der Izu-Halbinsel – Onsen, Meer und der Blick zum heiligen Berg. Fuji kommt aus der Namenslinie der Isegahama-beya, deren langjähriger Stallmeister der 63. Yokozuna Asahifuji war. Zusammen ergibt das nicht nur einen klangvollen Ringnamen, sondern eine Visitenkarte: der Fuji aus dem heißen Meer.

Vom Onsen-Ort ins Dohyo

Sakutaro Takei kam in der Präfektur Chiba zur Welt und zog in der Grundschulzeit mit seiner Mutter nach Atami. Dort wuchs er als Ältester von zwei Geschwistern auf.

An der Hiryu High wurde aus dem kräftigen Jungen ein ernsthafter Rikishi. Große nationale Amateur-Titel sammelte er allerdings nicht. Was Trainer und später die Isegahama-beya an ihm schätzten, war etwas anderes: Ernsthaftigkeit im Keiko. Der frühere Yokozuna Asahifuji, bekannt für hohe Ansprüche, soll über ihn gesagt haben, Atamifuji trainiere hart und sei ernst bei der Sache.

Zwei Absolventen derselben High School waren bereits in der Isegahama-beya – darunter Midorifuji. Nach dem Schulabschluss 2020 trat Takei ein und erhielt die Shikona Atamifuji. Im November 2020 stand er zum ersten Mal als Profi auf dem Dohyo.

Der rasante Aufstieg

Was folgte, war eine der steilsten Karrieren der 2020er Jahre.

Bereits im Januar 2021, seinem ersten richtigen Basho, holte er das Jonokuchi-Yusho. Im März folgte das Jonidan-Yusho mit 7–0. Nach nur vier Makushita-Basho stand er im März 2022 in der Juryo – einer der schnellsten Aufstiege in die bezahlte Division seit 1958. Im November 2022, genau zwei Jahre nach dem Debüt, gab er sein Makuuchi-Debüt.

Das erste Basho in der Makushita endete, wie nicht selten, mit einem Dämpfer und dem Weg zurück in die Juryo. Im Mai 2023 wurde er in der Juryo Zweiter (13–2), im Juli holte er das Juryo-Yusho. Zurück in der Makuuchi begann im Aki Basho 2023 jene Geschichte, die ihn in Japan über Nacht bekannt machte.

Als Maegashira 15, gerade 21 Jahre alt, führte er das Aki Basho 2023 über weite Strecken an und beendete es mit 11–4. Im Yusho-Playoff unterlag er Ozeki Takakeisho. Für das Basho gab es das erste von inzwischen vier Kanto-sho, den Sonderpreis für Kampfgeist.

Zwei Monate später, im Kyushu Basho 2023, war er erneut lange im Yusho-Rennen und holte wieder 11–4 plus Kanto-sho. Danach folgten zwei Jahre, in denen er sich als fester Makuuchi-Rikishi etablierte: nicht mehr der Überraschungsgast von ganz unten, sondern ein Mann, mit dem man auf den oberen Maegashira-Rängen rechnet.

2026: Anlauf zum Ozeki?

Das Hatsu Basho 2026 war der nächste Sprung. Als Maegashira 4 gewann Atamifuji 12 Kämpfe, zog ins Yusho-Playoff ein – und schlug an aufeinanderfolgenden Tagen beide Yokozuna: Hoshoryu und Onosato. Zwei Kinboshi in einem Basho, gegen beide Träger der Tsuna, sind selten.

Ein kleines Bild aus der Heya blieb an diesem Basho hängen: Atamifuji überreichte seinem Stallmeister, dem 73. Yokozuna Terunofuji, die Geldumschläge des ersten Kinboshi. Terunofuji nahm sie an – und gab Atamifuji denselben Betrag zurück. Respekt nach oben, Fürsorge nach unten.

Im März 2026 stieg Atamifuji zum Komusubi auf, 9–6 im Debüt. Im Mai folgte der Sekiwake, wieder 9–6. Das Nagoya Basho 2026 lief für ihn sehr start: 12–3, erneutes Kanto-sho, erneutes Playoff. Wieder fehlte am Ende das Yusho – Aonishiki gewann gegen Atamifuji und Kirishima. Aber spätestens ab hier ist klar: Atamifujis erstes Makuuchi Yusho ist nicht in sehr weiter Ferne.

Zudem ist das Aki Basho 2026 sein offizieller Ozeki-Anlauf. Die Rechnung der letzten zwei Sanyaku-Basho lautet 9 + 12 = 21 Siege. Zwölf Siege in Tokyo würden die klassische Marke von 33 Siegen in drei Basho erreichen. Asakayama-oyakata (früher Ozeki Kaio), Direktor der Jury, hat vor dem Basho bestätigt, dass die Beförderung durchaus möglich ist. Und er ging noch weiter: er nannte Atamifuji einen Rikishi, dem er den Ozeki „zu 100 Prozent“ zutraut – Hüfte schneller, Handwerk reifer, und ausgerechnet Onosatos sonst so gefürchteter Armblock verpuffe gegen ihn.

Nach der Beförderung zum Sekiwake im April 2026 sagte Atamifuji vor der Presse sinngemäß: Es fühle sich an, als sei er wieder eine Stufe höher gestiegen; er wolle weiter nach oben. An vielen Stellen habe er noch Luft nach oben. Er gebe immer alles, um ein Yusho zu gewinnen und Ozeki zu werden – oder sogar Yokozuna. Wenn die Ergebnisse folgen, sei er froh.

Ein Kampfstil, wie er selbst: schwer und ehrlich

Die Statistik der Nihon Sumo Kyokai zeigt, wie oft er Kämpfe mit welcher Kimarite bestreitet: Oshidashi liegt bei ihm vorn, danach Yorikiri. Übersetzt heißt das: Atamifuji sucht den direkten Weg. Tachi-ai nach vorne, Brust gegen Brust, Hüfte tief, und dann entweder der Stoß mit offenen Händen oder der Griff an den Mawashi und das unaufhaltsame Schieben aus dem Dohyo.

Mit 185 Zentimetern ist er nicht der Größte der Top-Division. Mit knapp 200 Kilo ist er allerdings der schwerste, ein richtiger“Fuji“. Sein früherer Coach Tateyama nannte ihn einmal den „Takamisakari der Reiwa-Zeit“ – eine Anspielung auf den früher so beliebten, ausdrucksstarken Rikishi Takamisakari. Atamifuji spielt keine Rolle, er ist einfach Atamifuji. Und das kommt bei den Fans an.

Kakukai no Pudding

Dann ist da noch der Spitzname, den man sich nicht ausdenken kann. Yokozuna Terunofuji taufte ihn „Kakukai no Pudding“ – das Pudding der Sumo-Welt. Atami ist berühmt für seinen Pudding, und eine Atami-Pudding-Marke gehört zu Atamifujis Sponsoren. Gleichzeitig trifft der Name den Charakter. Weich im Auftreten, fest in der Mitte, bei Fans extrem beliebt.

Hinter Atamifuji steht seineFamilie. Seine jüngere Schwester Hina Takei ist Kapitänin der Sumo-Mannschaft an der Hiryu High School – die erste Frau in dieser Rolle an einer Schule, die bereits Sekitori hervorgebracht hat. Sie engagiert sich sichtbar für Frauensumo.


Quellen: offizielles Rikishi-Profil der Nihon Sumo Kyokai (Atamifuji Sakutaro, Profil 4055), Stand Aki Basho 2026 / Tag 1; öffentlich geführte Pressegespräche nach der Sekiwake-Beförderung (April 2026); zeitgenössische Berichterstattung zum Aki Basho 2023; Einschätzungen von Asakayama-oyakata und Nishonoseki-oyakata vor dem Aki Basho 2026. Alle Formulierungen sind eigene Texte von Tachi-Ai.de.

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