Kensho beendet seine Karriere: Wie sieht das Ende einer Sumo-Laufbahn eigentlich aus?

Kensho (ehemals Maegashira) gibt seinen Rücktritt bekannt

Am 14. April 2026 hielt der ehemalige Maegashira Kensho (追手風部屋) im Ryogoku Kokugikan seine offizielle Abschiedspressekonferenz. Der 33-Jährige, der 20 Turniere in der Makuuchi-Division bestritten hat, beendet seine Karriere aufgrund anhaltender Knieprobleme.

„Ich habe das Limit erreicht“, sagte er. Besonders berührend war seine Aussage: „Das Gefühl der Einsamkeit ist am stärksten. Es ist noch immer schwer zu glauben, dass ich nach 25 Jahren Sumo – seit der Grundschule – nicht mehr ernsthaft im Ring stehen werde.“

Kensho plant, nicht im Sumo-Verband zu bleiben. Stattdessen möchte er in Zukunft ein Yakiniku-Restaurant in der Nähe des Bahnhofs Sumiyoshi in Tokyo eröffnen. Seine Danpatsu-shiki (Abschiedszeremonie) findet am 6. Juni 2026 gemeinsam mit seiner Hochzeitsfeier statt.

Das Ende einer Sumo-Karriere – die Danpatsu-shiki

Die Meldung über Kensho ist ein guter Anlass, genauer zu betrachten, wie ein Rikishi eigentlich Abschied nimmt.

Im Profi-Sumo gibt es keinen klassischen „Renteneintritt“ mit einem festen Alter. Die meisten Rikishi beenden ihre aktive Karriere zwischen 30 und 38 Jahren – oft wegen Verletzungen, nachlassender Leistung oder weil der Körper die extreme Belastung nicht mehr mitmacht.

Der offizielle Abschied erfolgt in der Regel durch die 断髪式 (Danpatsu-shiki) – die Zopf-Schneide-Zeremonie. Sie ist einer der emotionalsten Momente im gesamten Sumo-Sport:

  • Der Rikishi trägt seinen festlichen Kimono und sitzt auf einem Stuhl im Dohyo (meist im Ryogoku Kokugikan).
  • Über 200–400 Gäste – darunter Familie, Sponsoren, ehemalige und aktive Rikishi, Trainer und Fans – treten nacheinander nach vorne.
  • Jeder Gast schneidet mit einer Schere eine kleine Strähne aus dem traditionellen Chonmage (dem Oicho-mage, dem charakteristischen Ginkgo-Blatt-Knoten).
  • Am Ende nimmt der wichtigste Mentor (meist der Oyakata oder ein besonders enger Vertrauter) die finalen Schnitte vor und entfernt den gesamten Zopf.

Dieser letzte Schnitt symbolisiert das endgültige Verlassen des Sumo-Lebens. Viele Rikishi brechen an dieser Stelle in Tränen aus – der Chonmage ist jahrelang ein zentraler Teil ihrer Identität gewesen.

Nach der Zeremonie wird der Rikishi im Umkleideraum von einem Friseur komplett kahl geschoren und kehrt als „normaler Mensch“ in die Gesellschaft zurück.

Nicht jeder bekommt eine große Danpatsu-shiki

Nur Rikishi , die mindestens 30 Turniere in den beiden obersten Divisionen (Makuuchi oder Juryo) bestritten haben, haben Anspruch auf eine offizielle Zeremonie. Viele kleinere Rikishi verabschieden sich stiller – oft nur mit einer kleinen Feier in der eigenen Heya.

Wer nach der Karriere im Sumo bleibt, kann als Oyakata (Trainer) weiterarbeiten, eine eigene Heya gründen oder als Wakamonogashira / Toshiyori tätig sein. Viele andere, wie Kensho, starten ein komplett neues Leben außerhalb des Dohyo.

Die Danpatsu-shiki ist somit nicht nur ein Abschied, sondern auch ein würdiger Übergang – von der harten Welt des Sumo in ein neues Kapitel.

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