Rikishi Spotlight #2 – Ura Kazuki – Der schweigsame Technik-Zauberer (und unser persönlicher Favorit💜)

Der Mann, der selbst aus scheinbar aussichtslosen Positionen noch einen spektakulären Sieg zaubert – und genau deswegen unser absoluter Favorit ist. Wer einmal einen seiner Ura-nage oder Ashitori gesehen hat, versteht sofort, warum die Ränge bei seinen Kämpfen immer besonders laut toben.

Ura Kazuki 宇良 和輝t

  • Echter Name: Kazuki Ura
  • Geboren: 22. Juni 1992 in Neyagawa, Osaka Präfektur
  • Stall: Kise-beya
  • Größe / Gewicht: ca. 176 cm / 139 kg
  • Höchster Rang: Komusubi (Januar 2024)
  • Spezialtechniken: Oshi, Ashitori, Ura-nage und eine ganze Sammlung seltener Kimarite
Bild Quelle 1:

    Er begann im Alter von 4 Jahren mit Sumo, wechselte in der Mittelschule zum Ringen. An der Toba-Oberschule in Kyoto nahm er das Sumo-Training wieder auf und ging anschließend an die Kwansei-Gakuin-Universität.

    2011 gewann er die 65-kg-Klasse bei den All Japan Intercollegiate Individual Weight Class Championships. 2013 holte er die Goldmedaille in der Leichtgewichts-Division bei den World Combat Games.

    Er trat dem Kise-Stall bei und gab sein professionelles Sumo-Debüt im Frühlingsturnier 2015. Im Sommerturnier 2016 wurde er in die zweithöchste Division (Juryo) befördert, im Frühlingsturnier 2017 erreichte er die oberste Division (Makuuchi).

    Aufgrund einer Verletzung am rechten Knie fiel er zeitweise bis in die zweitniedrigste Division (Jonidan) zurück, kehrte jedoch in die Makuuchi-Division zurück. Im Januarturnier 2024 wurde er zum Komusubi (dritthöchster Rang) befördert.

    Wer Ura Kazuki (33, Kise-Beya) einmal auf dem Dohyo erlebt hat, vergisst ihn nicht so schnell. Der Rikishi aus Osaka ist bekannt für seine spektakulären, oft unerwarteten Techniken: blitzschnelle Uchikomi (Eindrücken), raffinierte Hikkake (Haken), elegante Katasukashi (Schulteraushebeln), Tsutae-zori, Tottari und sogar den spektakulären Ura-nage. Mit seiner geringen Körpergröße und dem unglaublichen Timing bringt er selbst deutlich größere Gegner aus dem Gleichgewicht – und das Publikum zum Jubeln.

    Doch hinter den spektakulären Siegen steckt ein Rikishi, der abseits des Dohyo ein ganz eigenes, sehr bewusstes Leben führt. In der zweiteiligen Serie „Ura no Sekai“ des Nikkan Sports (Mai 2026) gewährt Ura tiefe Einblicke in seine Denkweise und seinen Alltag. Zwei Themen stehen dabei besonders im Mittelpunkt: Warum er nach Kämpfen meist schweigt – und warum er bewusst als Simplists und Minimalist lebt.

    Die Kunst des Schweigens – „Wakarimasen“ als Philosophie

    Viele Fans kennen das Bild: Nach einem spannenden Kampf steht Ura vor dem Mikrofon der NHK- oder ABEMA-Reporter und antwortet auf die Frage nach seiner Technik oder Taktik oft nur mit einem freundlichen Lächeln und dem Satz: „Wakarimasen“ – „Ich weiß es nicht.“

    Für Außenstehende klingt das manchmal irritierend. Doch Ura erklärt es ganz offen und ehrlich: „Ich habe einfach keine Lust, über Sumo zu reden. Es gibt keinen besonderen Grund dafür.“

    Noch tiefer geht seine zweite Begründung: Sein eigenes Sumo ist für ihn selbst noch nicht vollendet. „Ich verstehe meine eigene Theorie noch nicht richtig. Deshalb sage ich lieber nichts.“ Diese Bescheidenheit ist typisch für Ura. Auch als etablierter Maegashira sieht er sich noch als Suchender auf dem Weg zu seinem idealen Sumo.

    Besonders schön ist sein Vergleich mit dem Shogi (japanisches Schach), das er offenbar intensiv studiert: „Der Geist (die innere Haltung) ist wie ein Bogin – ein gerader, kraftvoller Silber-Angriff. Die Form hingegen gleicht einem Shiken Bisha – der Vier-Rochade.“

    Dieser intuitive, schwer berechenbare Stil macht Ura für seine Gegner so gefährlich. Er kämpft nicht nach starren Mustern, sondern aus dem Moment heraus – und genau das will er nicht durch zu viel Reden verraten. Nach schweren Knieverletzungen und dem langen Weg zurück in die Makuuchi weiß er: Jede Energie, die er spart, kann er ins Training und die Erholung stecken.

    Minimalismus als Lebensphilosophie – „Ich brauche keine zweite Garnitur“

    Während viele Rikishi ihr Leben mit Training, Reisen, Werbung und unzähligen Fan-Geschenken füllen, geht Ura einen radikal anderen Weg. Er bezeichnet sich selbst als Simplisten – jemand, der bewusst auf Einfachheit setzt und unnötigen Ballast vermeidet.

    Der große Auslöser war die Corona-Pandemie. Als Ura allein in seinem Zimmer saß, fiel ihm plötzlich auf: Fast alles, was ihn umgab, waren Geschenke oder weitergegebene Dinge. Kaum etwas hatte er selbst bewusst ausgewählt. „Es fühlte sich einfach zu voll an.“

    Von da an begann er systematisch auszumisten – und lebt seither konsequent minimalistisch:

    • Fan-Geschenke: Nur noch Gutschein-Karten und persönliche Briefe nimmt er dankend an. Alles andere (Süßigkeiten, Kleidung, Gegenstände) lehnt er höflich, aber bestimmt ab: „Mono wa irimasen“ – Ich brauche keine Sachen. Die Fans haben das mittlerweile verstanden und respektieren es.
    • Zimmer: Extrem aufgeräumt und durchdacht. Ura hat bewusst so wenige Gegenstände, dass Putzen fast überflüssig wird. Er rechnet vor: Ein einzelner Gegenstand, der herumliegt, kostet drei Handgriffe (wegnehmen, abwischen, zurückstellen). Diese Minuten summieren sich – und die will er nicht verlieren.
    • Jungyo-Reisen: Die Tasche ist perfekt minimal gepackt. Er kauft viel in 100-Yen-Shops und 3-Coin-Shops und reduziert sogar die Anzahl der Seem-Tücher (Handtücher) auf das absolute Minimum.

    „Zeit ist mein wertvollstes Gut“, sagt Ura. Durch den Verzicht auf unnötigen Besitz gewinnt er kostbare Minuten und mentale Klarheit – für bessere Erholung, fokussiertes Training und echtes Sumo. Nach all den Verletzungen am Knie hat er gelernt, wie endlich die eigene Karriere sein kann. Jede freie Ressource zählt.

    Warum Ura uns alle inspirieren kann

    Ura Kazuki ist das perfekte Beispiel dafür, dass man im modernen Sumo nicht nur körperliche Stärke und Technik braucht, sondern auch innere Klarheit und Disziplin. Ob auf dem Dohyo mit seinen genialen Konter-Techniken oder im Alltag als Minimalist – er bleibt sich selbst treu.

    Für uns Fans ist er ein Vorbild: Man muss nicht alles mitmachen, was „man halt so macht“. Weniger Ballast kann mehr Fokus bedeuten – auf und neben dem Dohyo.

    Lasst uns Ura Kazuki weiter laut anfeuern! Ob beim nächsten Basho oder auf Jungyo – dieser schweigsame Technik-Zauberer hat noch viel vor. Und wir von der Sumo-Familie sind dabei! 💪💜

    Quellen-Hinweis: Basierend auf der zweiteiligen Nikkan-Sports-Serie „Ura no Sekai“ von Journalist Ichiro Sasaki (13. & 20.05.2026).

    Fun Facts über Ura Kazuki – warum man ihn einfach lieben muss! 💜

    • Akrobatik seit Kindertagen: Schon in der Mittelschule nannte er sich bei einer Kulturaufführung „Smiley Ura“ und zeigte Backflips und Saltos – das Publikum war begeistert!
    • Pink Power: Als er Sekitori wurde, wählte er einen auffälligen tiefrosa Mawashi – gegen die Tradition der braunen oder schwarzen Gürtel. Heute ist Pink sein Markenzeichen!
    • Musikalischer Rikishi: Er spielt (zugegebenermaßen nicht perfekt) Ukulele und liebt das Instrument Otamatone. Außerdem mag er Rap Musik und rapt sogar selbst 🙂
    • Shogi-Nerd: Ura ist großer Shogi-Fan (eine Art „japanisches Schach“) und sieht viele Parallelen zum Sumo – von der Rangstruktur bis zur mentalen Herausforderung.
    • Kleiner, aber stark: Er hat bei den World Combat Games 2013 Gold im Leichtgewicht gewonnen und konnte früher sogar in der 65-kg-Klasse dominieren. Heute wiegt er ca. 139 kg – immer noch einer der „leichteren“ Makuuchi-Rikishi, aber mit riesigem Herzen.
    • Immer lächelnd: Egal ob Sieg oder Niederlage – Ura hat meist ein großes, ehrliches Lächeln im Gesicht. Ein echter Sympathieträger!
    • Lieblingsessen: Steak (besonders Filet) – und sein Lieblingsmanga ist „Kaiji“.



    Der Kanal „ChrisSumo“ hat in diesem Video recht gut zusammengefasst, warum man Ura einfach lieben muss:



    Wer ist euer Favorit? Schreibt es gerne in die Kommentare – vielleicht machen wir bald ein Special zu euren Favoriten!




    1. yoppy from Kawasaki, Kanagawa, Japan, CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0, via Wikimedia Commons ↩︎

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